Politisch hochkarätig war das Podium der Bürgerversammlung zum "Kreuzberger Spreeufer", mit dem obersten Kreuzberger Franz Schulz und
Senatsstaatsekretär Ephraim Gothe zuständig für Stadtplanung besetzt. Man wollte den Bürgern den aktuellen Planungsstand
Wie viele Bürgerversammlungen haben schon stattgefunden, wie viele offizielle und inoffizielle Planungen erblickten inzwischen das Licht der
Kreuzberger Welt, seit die Städtebauer und Investoren das Kreuzberger und Friedrichshainer Spreeufer für sich entdeckten. Erst spät, als das Kind
schon fast in die Spree gefallen war, wurden vor allem die Kreuzberger auf den Investorenhype aufmerksam und es folgte als Höhepunkte des Protestes
der erfolgreiche Bürger(wehr)entscheid. Die Bezirkspolitik sattelte noch rechtzeitig um und es folgte ein zähes Ringen um jeden Quadratmeter Bau- und
Geschossfläche - mit dem Resultat, dass von einer sichtbaren Bautätigkeit noch lange nicht die Rede sein wird können. Staatsekretär Gothe erklärte den
momentan Stand zum Schwebezustand, der sich jeder konkreten Aussage verweigern würde.
Klaus Wowereit würde bestimmt nicht sagen "das ist auch gut so!" Denn, wenn es nach ihm und seiner Erfüllungsgehilfin Ex-Senatorin für Stadtplanung
Junge-Reyer gegangen wäre, würden schon bald hier Hochhäuser an Hochhäuser stehen. Diese neoliberale Vorstellung von Stadtplanung gehört nun in der
'Fast-Post-Wowereit-Ära' mittlerweile in die Kategorie "Auslaufmodell", denn ein "Paradigmenwechsel in der Stadtplanung habe Einzug gehalten", so
Staatssekretär Ephraim Gothe und er bat um Verständnis, denn "dieses Umdenken brauche leider seine Zeit" (man denke an den monatelangen parteiinternen
Macht/Kulturkampf zwischen dem Regierenden Klaus Wowereit und neuen Berliner Parteivorsitzenden Jan Stöß, ehemals Stadtradt in Kreuzberg). "Schon,
dass er hier sei", Gothe weiter, wäre ein unumstößliches Zeichen (hat er so nicht wortwörtlich gesagt, aber sinngemäß gemeint), und dass er und auch
die Senatspolitik es ernst meinte, sich nun (neuerdings) der Bürgermeinung zu stellen!
Genau dies hat Franz Schulz schon immer getan und wie er mit Verve die aktuelle Faktenlage zum (Nicht)Planungsstand erläuterte, machte deutlich, in
welchem Maße ihm das Spreeufer persönlich am Herzen liegt und wie hoch der Gestaltungsanspruch des Bezirks an dieser prominenten Stelle ist - auch
Ausdruck jahrelanger Konfrontationen mit den Senatsbehörden. Ob Zapfgrünstück, Behala, Brommybrücke, Spreeuferweg etc. etc., überall heißt es
"abwarten und Spreewasser trinken. So müssen für die ansässigen Gewerbe erst noch Ersatzgrundstücke gefunden werden, damit überhaupt baureife
Planungen in Auftrag gegeben werden können. Die Brommybrücke wartet auf einen Wettbewerb (in ein paar Jahren). Für den Spreeuferweg existieren schon
konkrete Planungen, in den vorgesehen Bauabschnitten aber nur als Steg, aber auch hier große Ungewissheit, wegen explodierender Baukosten (Sicherung
der Stege gegen Havarie), ob diese überhaupt kommen.
Der Uferweg ist u.a. Herzstück der Forderungen des Bürgerentscheid und kurioserweise ist dieser aber auch schon auf der Liste mancher autonomer
Stadtkritiker als Gentriefizierungsbeschleuniger gelandet (wie sich an diesem Abend herausstellte) - zum Glück gibt es widerspenstige
Grundstückseigentümer, die partout keine fremden Leute auf ihrem Boden haben wollen). Es war nicht einfach den Überblick darüber zu behalten, wer wo
was behindert, welche Grundstücke sich einem kommunalen Gestaltungswillen entziehen, ob überhaupt Geld für all die schönen Ideen da ist und ob die
Wohnungsnot (die laut Senat über Nacht über Berlin hereinbrach) den großzügigen Grünflächenplanungen nicht entgegensteht.
Alles in allem war doch deutlich Unmut im proppenvollen Saal zu vernehmen, und zwar darüber, dass es viel zu lange ginge, man von Investoren und Senat
hingehalten würde und zu befürchten sei, irgendwann weggentriefiziert oder geriatrie-infiziert zu sein (die Mehrzahl der Besucher waren Kreuzberger im
besten Alter).