Erschreckend ruhig war es in den vergangenen Jahren in der Markthalle - so ruhig, dass viele Geschäfte aufgeben mussten. Eine Bürgerinitiative brachte
neuen Schwung, anscheinend zu viel Schwung!
Kaum ein Kunde ließ sich vor nicht allzu langer Zeit in der Markthalle blicken und auch in direkter Nachbarschaft zur Halle war eher Beschaulichkeit als Geschäftigkeit angesagt. Erst eine Anwohnerinitiative brachte neuen Schwung in die verwaiste Halle (am Ende dieses Engagments standen die neuen "alternativen" Betreiber, die sich in einem Wettbewerb, mit großer Unterstützung der Anwohnerinitiative, durchgesetzt hatten) - und dieser Schwung hat so eine Dynamik entwickelt, dass nun eine andere Initiative auf den Plan getreten ist, mit der Forderung, diesen irgendwie anwohnerverträglicher zu gestalten. Extrem anwohnerunverträglich war der vergangene Sommer, der "nur noch schrecklich" war, so eine Sprecherin der Bürgerinitiative.
Auf einen weiteren Horrorsommer, mit einer lärmenden Geräuschkulisse von früh morgens (Anlieferverkehr) bis spät in die Nacht (zechende Gaststättengäste) und unerträglichem Geruchsbelästigungen der Gaststättenbetreiber (vor allem Fettgestank), will man nicht warten, deshalb hatten Initiative und der Stadtteilausschuss Kreuzberg zu einer Podiumsdiskussion mit den Stadträten Hans Panhoff und Peter Beckers eingeladen. Manch einer der Anwohner, die sich an diesem Abend zu Wort gemeldet hatten, leben seit Jahrzehnten in direkter Nachbarschaft zur Halle und fast alle lobten das Engagement der neuen Markthallenbetreiber; im Gegensatz dazu bekamen die Vertreter der Bezirkspolitik ihr Fett weg, weil sie nicht in der Lage sind, ein verträgliches Miteinander von Anwohner und Gewerbe zu organisieren. Die beiden Stadträte versprachen sich der Probleme anzunehmen und sehen in der Diskussionsveranstaltung einen ersten wichtigen Schritt, um ins Gespräch zu kommen. Und vor allem Stadtrat Peter Beckers, auch zuständig für das Ordnungsamt versprach, den Beschwerden seitens des Amts verstärkt nachugehen.
Ein weiteres Problem ist die Parkplatzsituation: teilweise wurde vom Bezirk das Querparken erlaubt ohne die Nachteile (schlechtere Sicht für Kinder, Reduzierung der Gehwegfläche, zu viel Blech in der Straße) baulich zu kompensieren - dabei wäre genug Geld vorhanden, so Volker Härtig, ehedem selbst stadtpolitisch tätig und seit 1976 Anwohner der Eisenbahnstraße. "Der Bezirk tut nichts, obwohl er könnte", warf er den Stadträten vor und weiter "weniger Ausreden und mehr Tatkraft" wären angebracht. Die finanziellen Mittel wären vorhanden und zwar aus dem Förderprogramm Stadtumbau West. Und in der Tat, gab es eine umfangreiche Untersuchung und eine detaillierte Planung des Stadtplanungsbüros Herwarth + Holz im Auftrag des Senats (2006), die u.a. genau dieses Quartier mit untersuchte, und die eben viele bauliche Verbesserungen aufzeigen, die die Aufenthaltsqualität des Straßenraums verbessern helfen sollen.