Nicht an einem Stein, sondern an einem kleinem Ruderboot (streng genommen ist es ein Kajak) in der Dieffenbachstraße nimmt das Ordnungsamt Anstoß, das
als alternatives Sitzmobiliar für den dortigen Imbiss dient.
Das Ordnungsamt steht vor einer schwierigen Entscheidung: Ist das Boot, das vom Pizzabäcker und Inhaber des "Ron Telesky" am Gehwegrand für seine
Gäste hingestellt wurde, nun ein legitimes Sitzmobiliar oder nicht und hat es Chancen offiziell dazu gemacht zu werden? Eine mehrköpfige Begehung vor
Ort war auch schon fällig, auch um das unbotmäßige Objekt zu vermessen, um evtl. mit handfesten Zahlen das Problem einkreisen zu können.
Unbestritten ist die originäre Bestimmung eines Bootes und die wäre: das befahren bewässerter Straßen trockenen Fußes und zwar - jetzt kommt der alles
entscheidende Hinweis- SITZEND. Also liebe Leute vom Ordnungsamt, ein Boot ist auch eine Sitzgelegenheit!
Die Welt dreht sich weiter, lamentieren darüber ist müßig - manches dreht sich aber definitiv zu schnell und muss nun unbedingt das Kreuzberger
Ordnungsamt dafür sorgen, dass sich Kreuzberg noch schneller dreht als bisher (der Senat tut auch schon sein Übriges dazu, denn die Kreuzberger Mieten
steigen mit am Heftigsten in Berlin)? Der oberste Dienstherr des Ordnungsamtes Stadtrat Peter Beckers hat sich schon manches Mal ein ungläubiges
Kopfschütteln nicht verkneifen können, wenn auf Bürgerversammlungen Gewerbetreibende, ihm über übermäßige Gängelungen seitens des Ordnungsamtes
berichteten und er auf der Stelle zusagte, sich darum (i.S. des Gewerbetreibenden) kümmern zu wollen!
Ordnungsamt hin oder her - es scheint bitter vonnöten, dem Kreuzberger Ordnungsamt und seinen Bediensteten einen Kreuzberger Einbürgerungstest als
Pflichtkurs vorzuschreiben, um ihnen ein Gespür zu geben, inwieweit Vorschriften nicht nur auf deren Einhaltung hin zu überprüfen sind, sondern ein
besonderer Augenmerk darauf gelegt werden sollte, den eigenen Ermessensspielraum (mutig) zu nutzen natürlich unter der Maßgabe das eigene Ermessen mit
dem Kreuzberger Lebensstil in Einklang zu bringen. Anscheinend war das dem Ordnungsamt in acht Jahren seines gesegneten Wirkens nicht möglich.
Wer noch von kuriosen Vorgängen seitens des Ordnungsamtes versus Kreuzberg zu berichten weiß, der möge sich bei Kieznetz melden und kurz den
Sachverhalt schildern.