Willkürliche Baugenehmigung für das Bauvorhaben "Am Lokdepot"?
Am sog. 'Flaschenhals', Teil der neuen Grüntangente 'Gleisdreieck' (Bezirk Schöneberg) soll ein neues Wohnquartier entstehen. Aber die Kreuzberger Anwohner wehren sich dagegen - sie wollen nicht eingemauert werden!
Die Schönebergerin Stadträtin für Stadtplanung Sybille Klotz (die Grünen) hatte zu einer Bürgerversammlung eingeladen, wobei es anscheinend nur noch darum ging den Anwohnern Gelegenheit zu geben ihren Unmut zu äußern. Es gab auch Stimmen, die das Projekt als rechtswidrig bezeichneten. Zwischen Duden- und Monumentenstraße wird ein fast dreihundert Meter langer Wohnriegel entstehen, anscheinend das Ergebnis geballter kreativer Planungskompetenz.
Im Hinterhaus zu wohnen ist normalerweise mit gewissen Nachteilen verbunden, die da wären: kleine Wohnungen, kein richtiges Bad, wenig Ausblick und nur stundenweise Sonne, wenn überhaupt. Bestenfalls ist es in einem Hinterhof sehr ruhig. Auf so eine Wohnung hatte ich mich einmal beworben, zufälligerweise eben in der Eylauer Straße: eine kleine Einzimmerwohnung mit Dusche in der Küche aber mit einem herrlichen, weiten Ausblick auf und über diese breite Bahntrasse, mit einem Stadthorizont, der einen vergessen lässt, mitten in einer Großstadt zu wohnen.
Aus und vorbei! Schuld daran ist der geplante neue Wohnriegel, der genau so aussehen muss, weil gesagt wird, hier müsste eine Blockrandbebauung hin. Dabei gab es hier noch nie einen Blockrand, somit auch keine fehlende Blockrandbebauung auf die man sich beziehen könnte, die eine Blockrandschließung als das Naheliegende erscheinen lassen könnte. Und ein Straßengeviert gab es hier auch noch nie, die einen Block umschlossen hätte.
Natürlich kann man hier bauen, auf ehemaligen Gewerbeflächen, die nicht mehr genutzt werden: Es ist ja nicht so, dass Berlin keine Wohnungen bräuchte. Was man eben nicht braucht, ist Engstirnigkeit. Und auch nicht einen Weg des geringsten Widerstandes (der Widerstand der Anwohner ist immer noch anscheinend eine vernachlässigbare Größe), weil ja Blockrand und Traufhöhe so bequeme Argumente zu sein scheinen.
Wurde einmal darüber nachgedacht, ob es eine sinnvolle Alternativen zum Riegel geben könnte? Vielleicht eine lockere Punktbebauung! Eben mehr in die Höhe als in die Breite, so dass auch der Investor zu seiner Rendite kommen darf und vor allem deshalb, dass die angestammten Hinterhofbewohner merken, sie sind auch etwas wert. So wird aber Zwietracht zwischen Alteingesessenen und Neuankömmlingen gesät - die Politik als Brandstifter.