Es war nur eine vereinzelte Stimme, die sich so vehement äußerte - vielleicht sogar die einzige Kritische bei der Obstbaumpflanzaktion am Samstag im
Görlitzer Park. Dafür war diese (er) umso lauter und aggressiver.
"Es ist Scheiße, was ihr hier macht!", blaffte diese Stimme am Informationsstand den Veranstalter entgegen. Damit wollte diese Stimme - die sich als ein Vertreter der linksalternativen Szene Kreuzberg outete - sagen, dass speziell diese heutige Veranstaltung und überhaupt dieses Bürgerengagement im Allgemeinen für den Görlitzer Park, nichts anderes als ein Aufwertungsprozess darstellt und somit (in der Logik der politischen Kreuzberger Szene) zur Verdrängung der alteingesessenen Bevölkerung führt. Rhetorisch nicht untalentiert gipfelt seine Ablehnung im Ausruf "Für mich sind diese Apfelbäume eine Provokation!"
Rahel am Informationstand für die Parkbesucher erster Anlaufpunkt, um über das neue Parkprojekt "Unser Görli", zu informieren, hatte alle Hände voll zu tun, um wenigstens in Ansätzen mit dem Anliegen der Parkinitiative zum Herrn Kritiker durchzudringen. Wie schon erwähnt - es war die einzige kritische Stimme, aber über kurz oder lang wird den Betreibern des Parkprojekts "Unser Görli" mehr Gegenwind aus dem linksalternativen Politspektrum entgegenblasen. Wohl auch deshalb nur (Stichwort 'rotes Tuch'), weil dieses Parkprojekt federführend vom Senat ausgeschrieben wurde und von diesem auch finanziert wird (Aktionsräume plus).
Denn alles was irgendwie nach Aufwertung riecht und aussieht wird als Bedrohung wahrgenommen und unversehens geraten Personen und Initiativen in eine extremistisch-anmutende Bedrohungsmaschinerie (s.a. Artikel über den Laden 'zitrone' v. 22.03.2012). Dieses Ritual ist auch ein Ergebnis der Nicht-Politik eines SPD-geführten Senats, der sich über Jahre erfolgreich einer aktiven Wohnungs- und Mietenpolitik widersetzt hat - mit Ex-Senatorin Junge-Reyer an der Spitze, die nun (folgerichtig) in die Wüste geschickt wurde.
Einer Wüste nicht unähnlich, so präsentiert sich der Görlitzer Park aufgrund mangelnder gärtnerische Pflege der letzten Jahre, vor allem im Sommer - jetzt ist die Zeit gekommen, den Görlitzer Park, der mit großem bürgerlichen Engagement überhaupt erst entstanden war, jetzt mit neuerlichem Bürgerengagement, aus den Klauen einer Verwahrlosungspolitik zu reißen. Regelmäßige Treffen zum Parkprojekt finden bei der Bürgerinitiative 'Kiezwandler' in der Ratiborstraße statt.