Am Schluss der Vorstellungsrunde - zwei Bieter hatten ihre Konzepte für die Eisenbahnmarkthalle vorgestellt - war das Stimmungsbild eindeutig, als
die Anwohner per Handzeichen für oder gegen eines der beiden Konzepte stimmen durfte: ca. 70% zu 15%, bei ca. 15% Enthaltungen.
Mit im Publikum saßen, sozusagen als stille Beobachter, auch Mitglieder des Wirtschaftsausschusses des Bezirksparlaments, samt Bürgermeister Schulz. Obwohl die Abstimmung keinerlei bindende Wirkung auf die Entscheidung im Wirtschaftsausschuss haben soll, wären die Parlamentarier gut beraten die Stimme des Volkes nicht zu gering schätzen, denn spätestens seit des erfolgreichen Bürgerentscheids zum Spreeufer, liegt in jeder politischen Entscheidung ein Großprojekt betreffend, die sich gegen die Interessen der Bürger richtet, eine nicht unerhebliche sozial-politische Sprengkraft!
Der deutliche Ausschlag für das Konzept der Projektgruppe 'Markthalle IX' mit den
Architekten 'raumlabor', war wohl weniger dem Umstand geschuldet, dass deren Konzept für die Anwohner als das eindeutig bessere erschien, sondern es war eher eine Abstimmung gegen einen augenscheinlich typischen Großinvestor (Helmut Russ von BerlinZauber Veranstaltungsgesellschaft mbH), der mit seinem Anspruch mit internationalem Flair der Markthalle neues Leben einzuhauchen, den Kreuzbergern mehr als suspekt erschien. Auch sein Versuch sich als kreuzbergphil zu outen, wollte Investor Russ nicht ganz gelingen, als er (überflüssigerweise) sein Sohn mit ins Spiel brachte, dieser würde sogar in Kreuzberg wohnen. Auch mit seinem Kinderprojekt für benachteiligte Kinder (Motto: gesunde Ernährung und Bewegung mit Sommerreisen), das im Konzept für die Markhalle ein fester Bestandteil werden soll, konnte er keine Pluspunkte sammeln.
Seine Mitbewerber, die Projektgruppe 'Markthalle IX' hatten in den letzen beiden Jahren bewiesen, dass sie genau das sind, was die Anwohner von einem zukünftigen Betreiber erwarten - ein Betreiber mit authentischem lokalen Engagement, davon zeugten auch die unzähligen Aktionen, Veranstaltungen, die in den letzten beiden Jahren große Resonanz in Kreuzberg erfuhren und die es zudem geschafft hatten, die Halle wieder in das Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen.
Ein Hauptpunkt, in der sich die beiden Konzepte zudem merklich unterschieden, war die Vorstellung darüber, wie mit den 'Großmietern' Drospa, Aldi und KiK zu verfahren sei. Die Projektgruppe will sich die Halle sukzessive, mit dem Auslaufen deren Verträge, "aneignen"; Investor Russ versprach, er könnte sich dieser in kürzester entledigen - ein rigoroser Anspruch, vielleicht auch nur die Spitze eines Eisbergs.