Die Verdrängung wird stattfinden - findet schon statt!
Der Bezirk und das Quartiersmanagement hatten zu einer Bürgersammlung eingeladen, denn der Verdrängungsdruck für die angestammte Bevölkerung wird im
Wrangelkiez immer evidenter.
Das ehemalige Kino Lido war rappelvoll, Filmkameras waren aufgebaut, das Podium u.a. mit dem Bezirksbürgermeister Schulz und dem Wirtschaftsstadtrat Beckers prominent besetzt. Die vielen Bürger, die gekommen waren gaben einem Prozess ein Gesicht, der meistens nur lautlos und im Verborgenen stattfindet - die Verdrängung der Mieter aus ihren Wohnungen durch nicht mehr bezahlbare Mieten!
Aber auch das Gewerbe ist von diesem Verdrängungsprozess ebenso betroffen aber diese Strukturveränderung zeigt sich im Straßenbild: das Gastronomiegewerbe verdrängt den typischen Einzelhandel, das bestätigt auch so die Sprecherin des Quartiersmanagements (QM).
Diesen Prozess nennt man neudeutsch Gentrifizierung - von linksautonomen Gruppen schon seit längerem lautstark thematisiert und die die "gut ausgebildeten jungen Menschen, die vermehrt in den Wrangelkiez hineindrängen", so das QM, als ihr Feindbild auserkoren haben - nicht zu vergessen die Künstler, die ebenfalls im Visier der linksautonomen Gruppen sind und aus deren Sicht quasi diesen Verdrängungsprozesse einläuten.
Wenn die Wohnungspolitik bei den Regierenden, insbesondere bei der SPD, keine Rolle mehr spielt, siehe die komplette Streichung eines Gesetzes, das die Zweckentfremdung von Wohnraum verhindern sollte, kommt so etwas dabei heraus und noch schlimmer: sie provoziert, dass Bevölkerungsgruppen aufeinander gehetzt werden. Und wenn die Linksautonomen sich in abstruse Forderungen versteigen, z. Bsp. dass Bordsteinabsenkungen, Fahrradwege etc. die Gentrifizierung verstärken, so kommt man fast nicht umhin dieser verqueren Sichtweise doch irgendwie recht geben zu müssen.
Bezirksbürgermeister Schulz wohnt seit 25 Jahren im Wrangelkiez; er kennt aus eigener Anschauung wie sich der Wrangelkiez, ehemals im Schatten der Mauer, mit dem Fall derer (mit einiger Verzögerung) aus seinem Dornröschenschlaf gerissen wurde und seit 2000 eine stürmische Entwicklung nimmt. Die wohnungspolitischen Instrumente des Bezirks selbst sind sehr begrenzt, um dem Verdrängungsprozess wirksam begegnen zu können, vielleicht hilft ja ein bisschen die zukünftige Genehmigungspflicht für die Umwandlung von Mietwohnungen in Eigentumswohnungen (die es schon längst einmal gab). Stadtrat Beckers (SPD) weiß aber auch, dass viele Geschäftsleute verzweifelt sind - es fehlt einfach (noch immer) die Kaufkraft im Kiez.