Der Raum war zum Bersten gefüllt - viele Anwohner hatten sich vom Motto der Veranstaltung "Hilfe, die Touris kommen!" angesprochen gefühlt.
Eingeladen hatte Dirk Behrendt von den Grünen, um mit den Anwohnern über die negativen Auswirkungen eines überbordenden Tourismus auf den Wrangelkiez zu diskutieren. Eingeladen war auch Gerhard Buchholz von 'visit berlin' (eh. Berliner Tourismus und Marketing GmbH), die für den Senat Konzepte zur Förderung des Tourismus erarbeitet und dieser konstatierte: Man wurde von der Entwicklung überrollt! Deshalb hätte auch das aktuelle Tourismuskonzept etliche Schwachpunkte, vor allem die negativen Auswirkungen und die Belastungen für die Anwohner fänden keine entsprechende Würdigung im Konzept bzw. der SPD-geführte Senat hätte keine Notwendigkeit gesehen, diese Punkte in das Konzept aufzunehmen.
Von den Anwohnern wurden vor allem die strukturellen Veränderungen in ihrem Kiez beklagt, die zu Mietsteigerungen und als Folge zu Verdrängung der alteingesessenen Mieterschaft führten. Oder dass zunehmend Wohnungen als Ferienapartments zweckentfremdet würden, was auch vom SPD-geführten Senat extra mit einer Gesetzesliberalisierung so erlaubt wurde. Auch würde sich der Einzelhandel verändern und die Versorgung mit Waren des alltäglichen Bedarfs in Wohnortnähe würde sich zunehmend verschlechtern.
Gerhard Buchholz verwies auf das enorme wirtschaftliche Potenzial der Tourismusbranche für Berlin - und in der Tat viele der Kiezläden könnten ohne die Kaufkraft des Touristen nicht oder nur armselig existieren. Momenten ist der Bezirk dabei eine Gesetzesregelung umzusetzen, die vorsieht, dass Hostels mit über 100 Betten genehmigungspflichtig werden bzw. im Zuge dessen eben nicht mehr genehmigt werden. Ob Hostels mit 99 Betten viel weniger Lärm machen als eines mit 150, dieser Unterschied wird wohl für die Nachbarschaft kaum eine qualitative Entlastung bringen. Aber immerhin - eine langjährige Forderung der Grünen, die Wohnraumzweckentfremdungsverordnung wieder aufleben zu lassen hat mittlerweile sogar ihren Eingang ins aktuelle Wahlprogramm der SPD gefunden.