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Kreuzkölln

 

 

 

 

17.07.2010

 

Übern Damm . . .

 

. . . und ziemlich alles war dort drüben in Neukölln anders als im Graefekiez. Früher war das. Jetzt hat der Kottbusser Damm nichts mehr Trennendes - jetzt verbindet der Damm die Quartiere Graefe- und Reuterkiez (neudeutsch Kreuzkölln) miteinander.

 

Die beiden Quartiere gleichen sich immer mehr an, im Positiven wie im Negativen. Ein prickelndes Kulturleben geht einher mit steigenden Mieten (aber nur weil sich der SPD-Senat aus der Wohnungspolitik verabschiedet hat), die eine Verdrängungswelle vor sich herschiebt. Diese Veränderungen in Kreuzkölln hat Mike Ries in seiner neuen Kieznovelle "Kreuzkölln" unter die Lupe genommen. Exklusiv in Kieznetz ein kleiner Textauszug der Novelle "Kreuzkölln", die eben im Handel erschienen ist.
ISBN 978-3-839-18572-8 , Paperback 152 Seiten

Mike Ries wird "Kreuzkölln" auch im Rahmen der 1. Neuköllner Literaturwoche am 29.7. 2010 im Heimathafen Neukölln, Karl-Marx-Straße 141 im Studio, 18-19 Uhr, als Buchpremiere vorstellen und daraus vorlesen.

Kreuzkölln (Textauszug) © Mike Ries
Kreuzkölln, auf der anderen Seite des Kottbusser Damms, bezirklich Neukölln, direkt angrenzend, ist im Kommen. Studies, Kreative, denen Graefekiez und auch der Wrangelkiez inzwischen zu teuer sind, sind dabei die Straßenzüge am Neuköllner Kanalufer mit ihrer Anwesenheit aufzuwerten, noch sind die Mieten dort deutlich günstiger, für Wohnungen und für Ateliers. Die Immobilienhaie sind aber auch dort schon aus den Startlöchern. Etwas tiefer rein nach Neukölln, nicht direkt am Kanalufer, dort, war sich C.Zack sicher, würde er günstigen Wohnraum finden. Am Weigandufer waren die dunkel verqualmten Berliner Eckkneipen auch schon durch junge neue Pächter in helle Räume verwandelt worden. Deren Getränkesortiment bestand nicht mehr aus Schultheiss, Futschi und Schnäpsen. Buletten werden nicht mehr angeboten. Das Publikum besteht nicht mehr aus Malochern, die dort den Feierabend begießen, die sind schon vor den Eckkneipen ausgestorben, sondern, wie in den angesagten Ecken Kreuzbergs, aus jungen Optimisten zwischen zwanzig und dreißig. Junge Mütter können dort mit ihrem Nachwuchs, ohne angemacht zu werden, ihren Latte schlürfen, nur eben billiger und weniger stylish als in Przlberg und anderswo.

C.Zack, auf der Holzbank am Neuköllner Schifffahrtskanal sitzend, schmunzelte in sich hinein, als er daran dachte, wie er vor Jahren mit seiner am Gummibund ausgeleierten Schlafhose kämpfte, während er versuchte, aus Eiern, Tomaten und Zwiebeln so etwas wie ein Omelett zusammenzuschütten. Es war fast Frühling hier am Kanal, es grünte, war deutlich wärmer geworden, der Winter war vorbei, was fehlte, war die Änderung in der Atmosphäre. Ein, zwei Grad fehlten noch an Wärme und sie würde spürbar sein, die Rückkehr des Frühlings. C.Zack liebte den Frühling, je länger der Winter war, so ungeduldiger wurde er. Diesmal war der Winter besonders kraftvoll gewesen, schön und sehr kalt. C.Zack freute sich. Die neue Wohnung, das Zusammenleben mit Ute, der nahe Frühling. Er schmiss seine Kippe in den Kanal, ging über die Brücke zum Discounter. Fünfzehn Minuten dauerte es, bis er wieder auf der Bank saß, sich erneut eine anzündete. Während er kurz drüben auf der Treptower Seite war, hatte sich einer der Alkis bei der Bank eingefunden. Der stand am gusseisernen Geländer. Misstrauisch beäugte er C.Zack.

 

 

 

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