Um den Moritzplatz direkt herum aber auch im weiteren Umfeld wurde schon viel, mitunter
öffentlichkeitswirksam und laut inszeniert, seit dem Mauerfall geplant und visioniert - aber der
Moritzplatz scheint sich gegen jede auch no so gutgemeinte Planung zu sperren.
Eine Art Absperrung hatten gestern Anwohner im Sinne, als diese zu einer Demonstration auf dem Moritzplatz aufriefen. Unter dem Motto "Die stille Demonstration" erschienen einige Dutzend Demonstranten, um auf den unzumutbaren Zustand für Anwohner und Fußgänger hinzuweisen. Die kleine Demonstration führte vom U-Bhf. Prinzenstraße zum Moritzplatz, dort angekommen durften dann auch mal Fußgänger den Moritzplatz - unter Schutz der zahlreich sie beschützenden Polizei - diesen oberirdisch erkunden, umrunden und der Moritzplatz war auf einmal so beschaulich und still geworden.
Unwirkliche Stille, Kinder spielten auf der Mittelinsel, wo sonst eine brachiale Geräuschkulisse nur Fluchtimpulse auslöst. Wenn es nach den Anwohnern ginge, sollte vor allem Ruhe an diesem Unort einkehren - wahrscheinlich eine Utopie zu viel des Guten an diesem Verkehrskreuz. Vielleicht wäre aber wenigsten eine Verbesserung für die Fußgänger möglich, damit diese ohne Adrenalinschub die Straßeneinmündungen am Moritzplatz überqueren können.
Ja - es gibt Fußgängerunterführungen, aber eigentlich sind es die U-Bahnzugänge und sind deshalb wenig zweckdienlich, denn die Meter, die man/frau da zusätzlich ablaufen muss ergeben fast eine doppelt so lange Strecke wie direkt über die Straße, aber immerhin als Ausrede fürs Nichtstun sind sie bestens geeignet. Die Behörden argumentieren für die Benutzung der Unterführungen bestenfalls anachronistisch, ganz i.S. der verkehrsgerechten Autostadt der Siebziger und das in Kreuzberg, Hoheitsgebiet der 'Grünen'. Ältere Leute bleiben dabei genau so auf der Strecke, die über das zusätzliche Treppensteigen wenig erfreut sind, wie die Mütter mit Kinderwägen oder gehandicapte Personen mit Rollstuhl.
An der Einmündung zur Heinrich-Heine-Straße gibt es eine verschämte Querungshilfe für die Fußgänger, eine Mittelinsel schränkt etwas die Jagderlaubnis der Autofahrer ein und dass ein Autofahrer da mal freiwillig hält sieht man vergebens, warum auch, die Behörden haben bewusst auf einen Zebrastreifen dort verzichtet - nur nicht zuviel des Guten! Und was sagt die aktuelle Baustadträtin Jutta Kalepky zum Moritzplatz? Wir werden berichten!