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Grünflächenamt endlich bürgernah!

 

 

 

 

07.03.2008

 

Ein Herz für Sprayer

 

Trotz Haushaltsnotstand - der Bezirk lässt sich nicht lumpen und hat für zehntausende Euro neue Graffiti-Flächen in Kreuzberg den Sprayern zu Verfügung gestellt.

 

Geplagte Hauseigentümer können aufatmen. Mit seinem speziellen Graffiti-Programm "Ein Herz für Sprayer" hat das Grünflächenamt über hundert großformatige Metallflächen im Bezirk aufstellen lassen. Die Schilder stehen am Rand von Grünanlagen, mit dem Vorteil, dass das triste Grün der meist ungepflegten Parkanlagen einige Farbtupfer hinzubekommt.

Es dürften mehrere zehntausende Euro sein, die sich das Grünflächenamt die flächendeckende Beschilderung von Parks und Grünanlagen hat kosten lassen; genauere Zahlen wollte der für diese Aktion zuständige Referatsleiter nicht herausrücken. Kleinlichkeit ist auch nicht angesagt, denn das Geld ist doppelt gut angelegt; die Sprayer können sich flächendeckend austoben ohne Gefahr zu laufen von Hauseigentümern verklagt zu werden und man kann nun mittels dieser mannshohen Schildergestelle den Bürgern allzu deutlich machen, was er alles in den Grünanlagen tunlichst zu unterlassen hat - so lange es noch entziffert werden kann. Auch die Ein-Euro-Jobber dürfen sich freuen, wenn diese immer wieder die Farbe entfernen müssen.

Ein weiterer Nebeneffekt: Der Kreuzberger kann sich nun nicht mehr rausreden (dank der notwendigen Farbentfernungs-ein-Euro-Maßnahmen), wenn das Ordnungsamt ihn am Schlafittchen hat. So darf er den Marheinekeplatz nun nicht mehr mit dem Fahrrad queren, Grillen ist explizit auf diesem Platz von nun an ebenso untersagt; kein Ballspielen; das ganze Jahr wird vor Glatteis gewarnt und wer mit seinem unangeleinten Hund die Bergmannstraße entlang flaniert und unversehens in den Marheinekeplatz hineinrauscht, der begeht von nun an eine Ordnungswidrigkeit.

Lobenswert auch, wie das Grünflächenamt den wochenlangen Medienrummel der Grünen zum Haushaltsnotstand als Farce entlarvt. Allen Unkenrufen zum Trotz ist doch noch mehr als genug Geld zum Rauswerfen vorhanden, die Grünen sind als Haushaltshypochonder geoutet.

Das Grünflächenamt ist zu Höherem berufen, daran abzulesen wie es jegliche Beschilderungsmöglichkeit auf das Ausgiebigste genutzt hat - das verdient uneingeschränkte Anerkennung. Paradebeispiel die Fontanepromenade. Diese hat als begrünte Verkehrsfläche, die den Spaziergängern vorbehalten ist, naturgemäß viele Querungen und Eingänge. Und das Grünflächenamt fühlt sich nun bemüßigt auch tatsächlich an jedem Weg, der zur Promenade führt, links und rechts, jeweils nur wenige Meter voneinander entfernt, zwei dieser Schilderungetüme zu errichten. In der Summe sind es auch diesem handtuchgroßen Areal derer 19 geworden. Über 7000 Euro wurden alleine hier verbaut.

Am Lausitzer Platz ähnliches; auch hier ist ein nimmermüdes Walten des Grünflächenamtes zu konstatieren. Obwohl der Platz im Grunde genommen nur aus lehmigen Brachflächen und Trampelpfaden besteht und das Grüne mangels Pflege schon längst das Weite gesucht hat und nie eine Chance haben wird, wurden zur Anmahnung des nicht anwesenden Grüns 13 Schilder in den Boden gerammt - eine kreuzbergerechte Schilderzelebrierung mit einem Hauch von mahnenden, stelenähnlichem Duktus.

Besonders erwähnenswert und Sinnbild für nicht unterzukriegenden Behördenhumor das kleine Rechteck, zwischen Urban-, Fichte- und Körtestraße. Es mussten schon deren Drei sein, um diese städtische Parkanlage unübersehbar zu machen.

Die für diese Maßnahmen politisch verantwortliche Baustadträtin Jutta Kalepky, zwar parteilos aber nicht kopflos (aber von den Grünen nominiert), kann dem Programm "Ein Herz für Sprayer" leider nicht viel abgewinnen, zeigt sich aber Gott sei Dank hilflos in ihrem Bestreben diesem Grünflächenamt Einhalt bieten zu können: so sind nun mal halt die Ämter, war von ihr zu hören. Eine Behörde könnte doch noch unserem Grünflächenamt nachhaltig die Suppe versalzen: der Landesrechnungshof.

 

 

 

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