Auf dem bezirkseigenen Gelände des Kreuzberger Grünflächenamtes in der Schleiermacher Straße registrierte Andreas Helfer, aus seinem Wohnzimmerfenster blickend, einen Auftrieb, der ihn aufmerken ließ. Grund genug für ihn mal die paar Schritte rüberzugehen, um nachzufragen.
Und in der Tat, die Aktivitäten waren nichts anderes als die ersten Anzeichen eines geordneten Rückzuges - das Grünflächenamt wurde verlagert, das Gelände harrte einer ungewissen Zukunft. Das Areal steht auch für ein Stück Kreuzberger Geschichte, denn im späten 19. Jahrhundert waren hier die Stallungen des nahe gelegenen kaiserlichen 2. Dragoner Regiments untergebracht. Noch heute sind die Spuren der ursprünglichen Nutzung auszumachen, es müssen damals die neuesten Erkenntnisse moderner Pferdehaltung in die Bauplanung eingeflossen sein, licht und hoch, weiträumig, gut durchlüftet sind die Stallungen wohl gewesen.
Für Andreas Helfer war schnell klar, was hier seiner Meinung gut hinpassen würde: ein Atelierhof für Künstler. Er, der selbst lange Jahre in der Bergmannstraße sein Atelier hatte, sah nun die Gelegenheit zusammen mit anderen Künstlern ein einmaliges Projekt ins Leben zu rufen Ateliers für Künstler und ein Zentrum für die Kunst. Reichlich Platz würde zu Verfügung stehen: 8500 Quadratmeter Nutzungsfläche, die sich über mehrere unterschiedliche Gebäudeteile erstrecken; fast jede Größenordnung ist vertreten, von hallenähnliche Räumen mit über 100 qm Grundfläche, wo früher die Stallungen waren bis hin zu kleineren Räumen des ehemaligen Verwaltungstraktes.
Mit seiner Idee ist Andreas Helfer dann schließlich zum damaligen Baustadtrat Schulz gegangen - und tatsächlich, nach dem der Bezirk andere Nutzungsideen gegeneinander abgewogen hatte, bekam Andreas Helfer uns seine Künstlertruppe den Zuschlag. Der nächste Schritt war die Gründung eines Vereins, der sich nun 'Kunst in Kreuzberg e.V.' nennt und mit der Bezirk im November 2007 einen Nutzungsvertrag abschloss, mit der Maßgabe das Gelände alleinverantwortlich zu bewirtschaften und neben der Vermietung auch für ein kulturelles Programm zu sorgen.
Ob der Verein dies alles zu schultern in der Lage ist, wird sich relativ schnell herausstellen, denn er steht unter einem enormen Erfolgsdruck, was die Vermietung der Räume angeht, so die realistische und nüchterne Einschätzung von Andreas Helfer, dem studierten Mathematiker. Und die Resonanz der Künstler auf die freien Atelierflächen war bisher nicht mehr als befriedigend, stellt Andreas Helfer mit einer gewissen Skepsis fest. Von bezirklicher Seite ist kein Cent zu erwarten und so kann es sein, dass der Verein bei unzureichender Vermietung schnell pleite sein könnte.
Die Crux an der Geschichte ist die nicht ganz preiswerte Raummiete, immerhin 5,50 EUR/qm; "das muss jemand schon einen großen künstlerischen 'Output' vorweisen, um sich diese Miete leisten zu können", weiß der Kunstschaffende und Vorsitzende des Vereins Andreas Helfer die mathematischen Rahmenbedingungen richtig einzuschätzen.