Der Urbanhafen bekommt eine Uferpromenade spendiert!
Schulen sind marode, Straßen löchrig, Grünanlagen verkommen; die Kreuzberger Grünen wollten sogar einmal das Kreuzberger Rathaus verkaufen -
allerorten spricht man vom Investitionsstau, da wird die Urbanhafenpromenade wie auf dem Tablett serviert, um einmal so richtig investieren zu können:
nur was ist hier richtig?
Es ist ja nicht so, dass man nicht schon die Möglichkeit hätte, in direkter Sichtweite zum Wasser Lustzuwandeln. Ein breiter Weg, der die Baerweald- mit der Admiralbrücke verbindet, vom Wasser nur von einer ca. 12 Meter breiten Uferwiese getrennt, lädt dazu ausreichend ein. Und ein Weg ist es auch, der Probleme macht, als Begründung für die neue Uferpromenade! Aber es ist nicht der o.g. "offizielle" Weg, sondern ein inoffizieller, ein Trampelpfad, der irgendwann einmal von den Fußgängern in die (Liege)Wiese los- und hineingetreten wurde und nun in den Jahren solche Ausmaße angenommen hat, dass von der Liegewiese nicht mehr viel übrig ist!
Der nahezu mittig verlaufende Trampelpfad teilt nun die Liegewiese in zwei Restwiesenbereiche, wahrlich nicht mehr zum entspannten Verweilen einladen, wenn vor und hinter einem, in Zentimeterabständen die Fußgänger vorbeischlendern. Klar, dass erst recht, die nicht kleine FKK-Fangemeinde der 80iger Jahre aufgrund dieses Auftriebes mehr und mehr das Weite gesucht hat. Nur zu dumm, dass die Herde der Wiesentrampler irgendwann vor einem Gatter zu stehen kommen und sich über und durch dieses zwängen mussten. Notgedrungen wurde ein Loch in das Gatter geschlagen, bis man auf die Idee kam, diesen ungeregelten Zustand planerisch regeln zu wollen, mit dem Ergebnis, dass nun der Trampelpfad zementiert werden soll. Am Ende, kurz vor der Baerwaldbrücke ist die Uferböschung so steil, dass es nicht ohne eine Treppenanlage nebst 20 Meter lange Rampe geht, um die Spaziergänger hinauf zu hieven. Das und viel mehr ist das Ergebnis eines Planungswettbewerbs, das das Landschaftsarchitekturbüro Hanke+Partner gewonnen hat. Höhepunkt der Planung ist die Verlegung des Trampelpfades an die Uferkante - die Liegewiese wird dadurch nicht mehr zweitgeteilt, aber so wie früher, ungestört liegend die Aussicht auf das Wasser zu genießen, kann man dann immer noch nicht. Und dass nun ein Geländer in (Liege)Augenhöhe die Aussicht trübt, scheint noch niemand aufgefallen zu sein.
Und genau so wenig stört es die politisch Verantwortlichen für die Verlegung des Trampelpfades rund 750.000 Euro ausgeben zu müssen. Es wird kolportiert, dass man mit rund 10.000 Euro das Problem auch lösen könnte, indem einfach das vorhandene Geländer, das die Wiese vom offiziellen Weg trennt, verlängert wird und zwar bis dorthin, wo die Fußgänger vom Weg abkommen und anfangen die Wiese niederzutrampeln.
Die Skepsis der Bürger über das Ergebnis des Wettbewerbs war in der Bürgerversammlung am 13. März deutlich zu hören. Noch größer war der Unmut darüber, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden - man hätte sich gewünscht, schon vor der Ausrichtung eines Wettbewerbs über die Pläne zur Umgestaltung des Nordufers am Urbanhafen informiert zu werden. Stadtrat Hans Panhoff (die Grünen) gab sein Bedauern zum Ausdruck, die Bevölkerung nicht früher darüber informiert zu haben, dabei wurde er extra als Ersatz für den zurückgetretenen "Bürgerschreck" Stadträtin Jutta Kalepky geholt, als ausgewiesener Fachmann für eine kompetente Bürgerbeteiligung (so im Vorstellungsschreiben der Grünen). Auch im schwelenden Konflikt um die ehemalige Gerhart-Hauptmann-Grundschule in der Ohlauer Straße wird im Intransparenz und Bürgerferne vorgeworfen!