Karl-Marx-Straße 162. Hier haben sich die Inhaberinnen der Bioase44, Elke Dornbach und Nadia Massi, mit der Eröffnung eines eigenen Bioladens einen
Traum erfüllt.
Elke Dornbach sitzt mit einem Kaffee in der Hand im Cafébereich des Ladens und erinnert sich: "Meine Partnerin und ich wohnen etwa 15 Minuten Fußweg
weg von hier. Wir sind immer mit dem Rad durch die Gegend gefahren, um unsere Bioprodukte zusammen zu suchen. Hier in der Gegend gab es ja keinen
Bioladen." Es fällt auf den ersten Blick auf, dass der Bioladen hier in der näheren Umgebung eine Rarität ist. Das Geschäft befindet sich auf dem Teil
der Karl-Marx-Straße, den viele Liebhaber des mittlerweile geordneteren Neuköllns mit Skepsis beobachten.
Die Bioase44 liegt etwas unauffällig zwischen unzähligen Handy- und Elektrogeschäften, Bäckereien und Discount-Schuhläden. Auf den Straßen tummeln
sich zumeist Menschen mit Migrationshintergrund. "Ihr seid aber mutig!" sei eine der häufigsten Reaktionen auf die Eröffnung des Bioladens hier
gewesen. Für die beiden Frauen, die selbst aus Familien mit Migrationshintergrund stammen, eher eine Herausforderung als eine Abschreckung: "Es wird
immer behauptet, hier gibts ja nur Türken und Araber. Das stimmt aber überhaupt nicht. 160 Kulturen versammeln sich hier im Kiez. Und dass die
angeblich kein Bio kaufen würden stimmt auch nicht. Wir haben zum Beispiel auch viel arabische Kundschaft". Die Betreiberinnen des Ladens geben sich
Mühe, die ethnische Vielfalt des Kiezes auch in der Gestaltung des Ladens widerzuspiegeln. Gleich am Eingang liegt das mediterran gestaltete Café.
Erst dahinter - rechts an der Bäckerei vorbei - beginnt der eigentliche Verkaufsraum.
Auch im Sortiment möchten Nadia Massi und Elke Dornbach die unterschiedlichen Bedürfnisse ihrer Kundschaft abdecken. Neben den klassischen Produkten
eines Bioladens findet man zum Beispiel Ayran, oder eine Feinkostabteilung mit Oliven und Antipasti. Die Chefinnen freuen sich auch über Kundenwünsche
für neue Produkte.
Bio ist naturgemäß etwas teurer als die Ware aus dem konventionellen Supermarkt. Da die Inhaberinnen aber nicht nur die Besserverdiener mit
hochwertigen Waren versorgen möchten, gibt es die Option Mitglied zu werden und dadurch zu preiswerteren Konditionen einzukaufen. Das
"Zwei-Preis-System" kennt man auch aus anderen Bio-Supermärkten, wie zum Beispiel der LPG - ein Preis gilt für "normale" Einkäufer, MitgliederInnen
werden mit Vergünstigungen belohnt. Elke Dornbach dazu: "Wir haben durchgerechnet, dass sich die Mitgliedschaft etwa ab einem Monatseinkauf von 60
Euro rentiert". Zudem achten die Betreiberinnen darauf, innerhalb des Sortiments auch besonders günstige Waren anzubieten. So findet der Kunde zum
Beispiel im Nudelregal sowohl hochwertige, teure Pasta, aber eben auch eine günstigere Alternative. Natürlich alles in Bioqualität. Generell sind die
beiden Inhaberinnen aber erfrischend undogmatisch: "Wir verurteilen niemanden, der hier nur ein paar Teilchen kauft und den Rest beim Discounter. Ich
freue mich natürlich, wenn Leute unser Angebot nutzen, aber das möchte ich schon jedem selbst überlassen".
Der Name Bioase44 ist Programm: "Viele unserer Kunden suchen auch einfach ein entschleunigtes Einkaufen. Und gerade ältere NeuköllnerInnen kommen zu
uns und wollen einfach eine gute Butter oder einen guten Käse. Egal, ob nun Bio oder nicht", führt Dornbach aus. Der Bioladen scheint tatsächlich
inmitten des hektischen Treibens, das die Karl-Marx-Straße so prägt, die Ruhe einer Oase zu verbreiten, wo man entspannt einkaufen kann.
Das Konzept scheint aufzugehen; Kundschaft und Sortiment wachsen stetig.